Jahr der Barmherzigkeit
Eöffnung Heilige Pforte
Plakate Sommerkampagne 2016
 
 

Impulse

Poster zu den Werken der Barmherzigkeit

 (Ausschnitt)

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Abende der Barmherzigkeit im Heiligen Jahr

Referat für Neuevangelisierung

Mit dem Heiligen Jahr der Barmherzigkeit hat Papst Franziskus der Kirche ein außerordentliches Heiliges Jahr (es fällt nicht in den üblichen Rhythmus von 25 Jahren) geschenkt. Alle Menschen sind eingeladen in den kommenden Monaten in neuer Weise über die Güte und Liebe Gottes nachzudenken und der göttlichen Barmherzig-keit im Leben der Kirche auch ganz konkret zu begegnen.

Der sogenannte Abend der Barmherzigkeit bietet dazu eine gute Gelegenheit. An diesem Abend steht die persönliche Begegnung mit Jesus Christus und seiner verzeihenden Liebe im Mittelpunt. Während der Fastenzeit 2016 veranstaltet das diözesane Referat für Neuevangelisierung in Kooperation mit den jeweiligen Pfarren mehrere solche Abende der Barmherzigkeit und lädt Sie herzlich ein:

12. Februar – Pfarrkirche Zwettl, 17.30 Uhr
12. Februar – Pfarrkirche St. Martin am Ybbsfelde, 19.00 Uhr
19. Februar – Pfarrkirche Grünau, 19.00 Uhr (keine Hl. Messe)
26. Februar – Pfarrkirche Rabenstein, 19.00 Uhr (keine Hl. Messe)
27. Februar – Pfarrkirche Thaya, 19.00 Uhr
4. März – Pfarrkirche Tulln St. Stephan, 18.00 Uhr
12. März – Pfarrkirche Neuhofen/Ybbs, 19.00 Uhr
19. März – Franziskanerkirche St. Pölten, 19.00 Uhr

Plakat Flyer Behelf

weitere Termine 

 

Heilige Pforte

von DDr. Fritz Brunthaler

Die Heilige Pforte ist ein besonderes Zeichen für die in diesem Heiligen Jahr den Gläubigen angebotene Barmherzigkeit des Vaters. Sie wurde das erste Mal im Jahre 1400 in der Laterankirche in Rom im Zusammenhang mit dem damaligen Heiligen Jahr erwähnt: „Wer dreimal durch diese Pforte schreitet, dem werden die Schuld und die Sündenstrafen nachgelassen. Es ist ein Wunder, das die Menschen erleben ... Wenn du also in das Paradies gelangen willst, dann gelingt das.“ Sie wird traditionellerweise nicht mit einem Schlüssel geöffnet, sondern mit einem dreifachen Hammerschlag. Dabei wird der Psalm 118,9 gesungen: „Öffnet mir die Tore zur Gerechtigkeit, damit ich eintrete, um dem Herrn zu danken. Das ist das Tor zum Herrn, nur Gerechte treten hier ein.“

Die Heilige Pforte weist auf Mehreres hin:

  • Sie ist Symbol dafür, dass jeder Mensch von Gott angenommen und geliebt wird, der wie der barmherzige Vater Tür und Tor, ja sein Herz öffnet und uns entgegenkommt.
  • Sie bedeutet den Zugang zu Christus, der gesagt hat: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden“ (Joh 10,9). Mit dem Durchschreiten der Heiligen Pforte geschieht der Übergang von Schuld zur Gnade. Dieses Durchschreiten ist - neben dem Empfang des Bußsakramentes, der Teilnahme an der Eucharistie, dem Gebet für den Papst und der inneren Abkehr von jeglicher Sünde - die Voraussetzung dafür, um im Dom, in den anderen drei Jubiläumskirchen (Maria Taferl, Maria Dreieichen und Basilika am Sonntagberg) unserer Diözese und überall dort, wo es eine Hl. Pforte gibt, den Jubiläumsablass zu erlangen.
  • Sie regt an, dass der Gläubige seinerseits in sich geht und, indem er sein Herz dem Wirken der Gnade öffnet und den Weg der Umkehr beschreitet, den barmherzigen Gott im Sakrament der Versöhnung um Vergebung bittet und sich von ihm mit Verzeihung und Frieden beschenken lässt.

Papst Franziskus sagt im Eröffnungsschreiben zum Heiligen Jahr: „Sie wird eine Pforte der Barmherzigkeit sein, und wer durch diese Pforte hindurchschreitet, kann die tröstende Liebe Gottes erfahren, welcher vergibt und Hoffnung schenkt.“

 

Das unbehagliche Wort "Barmherzigkeit"

von Dr. Maximilian Strasser

Das Wort "Barmherzigkeit" klingt verstaubt wie ein altes Möbelstück. Was aber hinter dem Wort bei genauerem Hinschauen zum Vorschein kommt, tut uns allen gut.
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Hirtenbrief von Bischof Klaus Küng

Bischof Klaus Küng hat für das außerordentliche Heilige Jahr "Jubiläum der Barmherzigkeit" einen Hirtenbrief verfasst. Dieser wird am Hochfest Mariä Empfängnis, dem 8. Dezember, an dem Papst Franziskus die "Heilige Pforte" im Petersdom öffnet, in allen Pfarren der Diözese verlesen.
Der Hirtenbrief im Wortlaut

 

Das Jahr der Barmherzigkeit

von Bischofsvikar Dr. Gerhard Reitzinger

Seit der offiziellen Ankündigung des „außerordentlichen Heiligen Jahres“ durch Papst Franziskus [vgl. Misericordiae vultus (MV), 11. April 2015] habe ich sehr unterschiedliche Reaktionen wahrgenommen:

Von „Das berührt und bewegt mich sehr!“ bis hin zu Ablehnung „Das versteht doch keiner!“ reicht der Spannungsbogen. Die einen fragen neugierig „Was ist ein Heiliges Jahr?“ und die anderen meinen schon alles zu wissen und sagen „Da geht’s doch nur darum, dass alle beichten sollen.“ Manche finden wertvolle Anregungen (z.B. Werke der Barmherzigkeit, Schriftstellen, Bezüge zu Judentum und Islam; Johannes Paul II.), andere stoßen sich an der Art und Weise der Darstellung (z.B. Logo und Gebet, mangelnde weibliche Sichtweise). Die einen erfreuen sich an ausführlichen Vorgaben und Impulsen (Pforte der Barmherzigkeit, 24 Stunden für den Herrn in der Fastenzeit, Sakrament der Versöhnung, Ablass), die anderen genießen die große Freiheit aus diesem Jahr „selber etwas zu machen“.

Ich deute die große Bandbreite der Reaktionen und die oft widersprüchliche Akzeptanz in meinem Umfeld als Spiegelbild der Gesellschaft. Und ich nehme es als Motivation, diesem „Thema“ besondere Aufmerksamkeit zu widmen. „Vielleicht haben wir es für lange Zeit vergessen, auf den Weg der Barmherzigkeit hinzuweisen und ihn zu gehen.“ (MV 10)

Denn es geht nicht um einen theoretischen Richtungsstreit! Sondern es geht um eine praktische Verwirklichung des Menschseins (MV 2: „Barmherzigkeit ist das grundlegende Gesetz, das im Herzen eines Jeden Menschen ruht“), der christlichen Sendung (MV 20: „Jesus betont, dass von nun an der Primat der Barmherzigkeit die Lebensregel seiner Jünger ist“) und der gesamten Kirche: „Die Kirche hat den Auftrag, die Barmherzigkeit Gottes, das pulsierende Herz des Evangeliums, zu verkünden. (…) Es ist entscheidend für die Kirche und für die Glaubwürdigkeit ihrer Verkündigung, dass sie in erster Person die Barmherzigkeit lebt und bezeugt! Ihre Sprache und ihre Gesten müssen die Barmherzigkeit vermitteln.“ (MV 12).

Der Beginn am 8. Dez 2015 (d.h. 50 Jahre nach Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils) erinnert daran, dass es um „eine neue Etappe auf dem Weg der Kirche“ geht. Das Jubiläum dauert bis zum Christkönigssonntag 20. Nov 2016 und soll helfen, „das Zeugnis der Gläubigen stärker und wirkungsvoller zu machen“ (MV 3).

Aus der Vielzahl der Themen, die Papst Franziskus in seinem Schreiben „Misericordiae vultus“ anspricht, fällt der biblische Ansatz auf, der sich durch das ganze Schreiben zieht. Beinahe 50 biblische Bezüge werden explizit genannt und zum Teil sehr ausführlich zitiert. „Um fähig zu sein, die Barmherzigkeit zu leben, müssen wir also zunächst auf das Wort Gottes hören. Das heißt, wir müssen den Wert der Stille wiederentdecken.“ (MV 13; vgl. MV 25 Schluss).

Das Schreiben „Misericordiae Vultus“ legt den Rahmen und die Inhalte fest. Vor allem aber ist es eine wiederholte Einladung und Bitte, sich der Barmherzigkeit zu öffnen und selber „barmherzig wie der Vater“ zu werden. Ähnlich sind auch die Impulse und Anregungen für die Diözese St. Pölten zu verstehen, die bereits in verschiedenen Medien veröffentlicht worden sind z.B. auf der Website http://jahrderbarmherzigkeit.dsp.at

„Lassen wir uns in diesem Jubiläum von Gott überraschen.“ (MV 25)

(aus: antenne 05/2015, Katholisches Bildungswerk St. Pölten)

 

Barmherzig wie der Vater

von Bischofsvikar Dr. Gerhard Reitzinger

Was für eine „Misere”! Was für ein Elend! Was für ein Schlamassel! – Welche Situation auch immer damit bezeichnet wird, es geht um eine Notlage, aus der man alleine nicht herauskommt. Was es heißt „barmherzig zu sein”, zeigt uns der lateinische Begriff „miseri-cor-dia”: Das Herz (= cor) den Armen (= miseri) geben (= dare). Wer sein Herz verschenkt, liefert sich dem anderen aus und wird verletzbar. Was von Herzen kommt, da bin ich (!) gefragt und gefordert. Wie groß die Misere auch ist, ich wende mich nicht ab. Vielmehr schenke ich mein Herz jenen, die im Schlamassel stecken! Es braucht primär Zuwendung. Das „Jahr der Barmherzigkeit” nimmt Maß an Gott. In Jesus Christus dürfen wir „das Antlitz der Barmherzigkeit des Vaters” erkennen (vgl. „Misericordiae Vultus”). Papst Franziskus trifft am Ende seines Schreibens die zentrale Aussage: „In diesem Jubiläumsjahr finde in der Kirche das Wort Gottes Echo, das stark und überzeugend erklingt als ein Wort und eine Geste der Vergebung, der Unterstützung, der Hilfe und der Liebe.” Jeder kann den Herzschlag Gottes wahrnehmen, wenn wir – auch ohne äußerlich zu leiden – selber in einer Misere stecken. Wir haben aber auch den Auftrag aktiv zu werden. Wo ist die Misere unserer Zeit? Und wo ist mein Herz?

 

Erbarmen

von Michael Zugmann, Assistent am Institut für Bibelwissenschaft des AT und NT an der KTU Linz

Erbarmen kommt von „ab-armen”: von Not befreien. Barmherzige haben ein Herz für Arme und Unglückliche. In der Bibel ist das Erbarmen ein zentraler Wesenszug Gottes. Hebräisch rachamim bedeutet Mutterleib, Eingeweide, Erbarmen. Ohne Gottes „Mutterleib” wären wir nicht da. Wie eine Mutter bleibt er mit uns verbunden. Seine Zuneigung ist ihm zuinnerst. Im Alten Testament heißt es immer wieder: „Der Ewige ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue.” (Ex 34,6) Gott ist der Erbarmer. Das Neue Testament bekennt, dass uns durch Gottes Barmherzigkeit Jesus als Licht und Menschenliebe erschien. Griechisch splanchna (Eingeweide, Mutterleib) und eleos (Schneiden; quasi ein Stich ins Herz) verweisen auf tiefe Emotionen, aufgrund derer jemand gar nicht anders kann, als für andere da zu sein. Jesus hat Erbarmen, er lehrt, gibt zu essen und heilt. Den barmherzigen Samariter und den barmherzigen Vater stellt er als Vorbild hin, weil sie helfen und verzeihen. Wer die göttliche Barmherzigkeit erfahren hat, wird sie durch barmherziges Handeln an den Mitmenschen bezeugen (Lk 6,36): „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.” Heiligkeit (Lev 19,2) und Vollkommenheit (Mt 5,48) gipfeln in der Barmherzigkeit, die Vorrang vor Opfern hat (Hos 6,6; Mt 9,13). Sie will unseren Umgang miteinander und unsere Gesellschaft und Wirtschaft prägen.