Jahr der Barmherzigkeit
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Plakate Sommerkampagne 2016
 
 

Missionare der Barmherzigkeit

Papst Franziskus in der Verkündigungsbulle zum Heiligen Jahr:

In der Fastenzeit dieses Heiligen Jahres habe ich die Absicht, Missionare der Barmherzigkeit auszusenden. Sie sollen ein Zeichen der mütterlichen Sorge der Kirche für das Volk Gottes sein, damit es tiefer eindringen kann in den Reichtum dieses für unseren Glauben so grundlegenden Geheimnisses. Es handelt sich dabei um Priester, denen ich die Vollmacht geben werde, auch von den Sünden loszusprechen, die normalerweise dem Apostolischen Stuhl vorbehalten sind. Damit soll der Umfang ihrer Sendung sichtbar werden. Sie sollen vor allem ein lebendiges Zeichen dafür sein, dass der Vater jeden aufnimmt, der seine Vergebung sucht. Sie werden Missionare der Barmherzigkeit sein, denn sie sollen allen eine Begegnung voller Menschlichkeit anbieten, eine Quelle der Befreiung, einen Ort der Verantwortung, der es ermöglicht alle Hindernisse zu überwinden und das einst in der Taufe neu geschenkte Leben wieder aufzugreifen. Sie lassen sich in ihrer Mission leiten vom Wort des Apostels: "Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, um sich aller zu erbarmen" (Röm 11,32). Denn alle, ohne Ausnahme, sollen den Aufruf zur Barmherzigkeit ergreifen. Die Missionare werden diesen Ruf erfüllen im Wissen darum, dass sie ihren Blick auf Jesus, den "barmherzigen und treuen Hohepriester" (Hebr 2,17) richten können.

Ich bitte die Mitbrüder im Bischofsamt, diese Missionare einzuladen und aufzunehmen, damit sie vor allem überzeugende Prediger der Barmherzigkeit sein können. In den Diözesen möge man "Volksmissionen" organisieren, damit diese Missionare Verkünder der Freude durch die Vergebung sein können. Sie mögen für die Menschen das Sakrament der Versöhnung feiern, damit in dieser Zeit der Gnade, die das Heilige Jahr uns schenkt, möglichst viele, die sich entfernt haben, den Weg zum Hause des Vaters wiederfinden. Die Hirten sollen besonders in der vierzigtägigen österlichen Bußzeit die Gläubigen einladen, heranzutreten "zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden" (Hebr 4,16).

"Missionare der Barmherzigkeit" in der Diözese St. Pölten:

Dompfarrer Kan. Norbert Burmettler
Domplatz 1, 3100 St. Pölten
Tel.: 02742/353402

E-Mail: n.burmettler@kirche.at 

Pfarrer Mag. P. Franz Hörmann OSB
Ort 1, 3332 Rosenau am Sonntagberg
Tel.: 07448/2585
E-Mail: franz@stift-seitenstetten.at

Pfarrer Mag. P. Michael Hüttl OSB
Maria Dreieichen 79, 3744 Stockern
Tel.: 02982/8253
E-Mail: p.michael@basilika-maria-dreieichen.com

Pfarrer P. Leonhard Obex OSB
Kardinal-König-Platz 1, 3202 Rabenstein an der Pielach
Tel.: 02723/2270
E-Mail: leonhard@stiftgoettweig.at

Pfarrer P. Andreas Petith OMI
3672 Maria Taferl 1
Tel.: 07413/278
E-Mail: oblaten@basilika.at

Kaplan Dr. Andrzej Skoblicki
Kartause 1, 3292 Gaming
Tel.: 0699/11210674
E-Mail: andreas@sychar.at

 

"Missionare der Barmherzigkeit": Was hinter der Vollmacht steckt

Die "Missionare der Barmherzigkeit sind mit der Vollmacht ausgestattet, auch jene Sünden vergeben zu können, von denen per se eigentlich nur der Heilige Stuhl lossprechen kann. Im "Kathpress"-Gespräch erklärt der Münsteraner Kirchenrechtsexperte Klaus Lüdicke, wozu die Vollmacht des Papstes tatsächlich bemächtigt.

Grundsätzlich sei zwischen Sünde und der mit ihr verbundenen Tatstrafe zu unterscheiden. Von der Sünde an sich, "also der im Gewissen belastenden Schuld vor Gott", könne, so Lüdicke, jeder Beichtvater lossprechen - "auch ohne die neue Initiative des Papstes". Die Aufhebung einer Tatstrafe obliegt in einigen Fällen jedoch dem Heiligen Stuhl oder dem Ortsbischof.

Bekanntestes Beispiel ist die Sünde der Abtreibung, die mit der Tatstrafe der Exkommunikation einhergeht. Die Aufhebung der Tatstrafe ist im Fall der Abtreibung dem Ortsbischof vorbehalten. Im Fall der Abtreibung lockerte Franziskus die Regelung bereits im September letzten Jahres. Seither ist es im "Jahr der Barmherzigkeit" allen Priestern erlaubt, auch die mit Abtreibung verbundene Tatstrafe der Exkommunikation aufzuheben.

Jene Tatstrafen, die nur der Heilige Stuhl aufheben kann und ab Aschermittwoch auch die rund 1.000 Missionare der Barmherzigkeit, sind in den "canones" 1367, 1370, 1378, 1382 und 1388 des Kirchenrechts, des sogenannten "Codex Iuris Canonici", beschrieben. Es sind dies die Verunehrung der Eucharistie (canon 1376), ein körperlicher Angriff auf den Papst (canon 1370), die Lossprechung einer beichtenden Person, mit der der Priester zuvor Geschlechtsverkehr hatte (1378), die unerlaubte Bischofsweihe (1382), der Bruch des Beichtsiegels (1388). Seit der Erweiterung der Strafbestimmung im Codex von 2010 gehört hier dazu auch der Versuch, einer Frau das Weihesakrament zu spenden.

Von einer besonderen Vollmacht zur Sündenvergebung könne deshalb streng kirchenrechtlich nicht gesprochen werden, so der Experte. Der Kern der Vollmacht richte sich vielmehr auf die Aufhebung der mit der Sünde verbundenen Tatstrafe - jener Strafe, die mit der Begehung der Tat auch ohne ausdrückliche Verhängung von selbst eintritt; in mehreren Fällen ist dies die Exkommunikation.

Mit der Initiative setzt Franziskus ein Novum. In der Lateranbasilika, im Petersdom und in Santa Maria Maggiore gibt es zwar internationale Ordenspriester, die dem Großpönitentiar - aktuell Kardinal Mauro Piacenza - zugeordnet und für die Pilger diesbezüglich im Einsatz sind. Eine großflächige Weitergabe der Vollmacht hat es bisher allerdings noch nicht gegeben.

Für den Linzer Generalvikar und Kirchenrechtler Severin Lederhilger steht dahinter das "große Anliegen" des Papstes, "die Menschen wieder verstärkt zu Vergebung und Versöhnung in der Beichte einzuladen". Den klaren Hinweis dafür gebe der Papst wiederum in der Verkündigungsbulle: "Vielleicht haben wir es für lange Zeit vergessen, auf den Weg der Barmherzigkeit hinzuweisen und ihn zu gehen. In unserer Zeit, in der die Kirche sich der Neuevangelisierung verschrieben hat, gilt es das Thema der Barmherzigkeit mit neuem Enthusiasmus und einer erneuerten Pastoral vorzutragen."